Ärztemangel steht im Westerwaldkreis bevor

Ansätze und Möglichkeiten, die hausärztliche Versorgung im Westerwald sicherzustellen, diskutierten Experten und Bürger im Bürgerhaus Siershahn. Eingeladen hatte die FWG in der Verbandsgemeinde Wirges und im Westerwaldkreis.

Der Ist-Zustand und die bestehenden Probleme wurden eingehend betrachtet, sowie nach Lösungen für den absehbaren Mangel an Allgemeinmedizinern gesucht. Der Fokus lag darauf, was alle gemeinsam vor Ort tun können, um das Problem anzugehen und die Bedingungen zu verbessern.

Der Obmann der Kreisärzteschaft, Chirurg Klaus Krämer, lieferte beeindruckende Zahlen. So werden von den im Kreisgebiet tätigen Allgemeinmedizinern, deren Durchschnittsalter bei 55 Jahren liegt, in den kommenden zehn Jahren 40 Prozent ausscheiden. Etwa 70 Prozent der Medizinstudierenden sind Frauen, die häufig nur in Teilzeit arbeiten möchten. Daher werden mehr Nachfolger gebraucht, um einen ausscheidenden Arzt zu ersetzen. Auch sinke der Anteil an Allgemeinmedizinern bei den Arztzulassungen rapide ab.

Für den Allgemeinmediziner und Diabetologen Michael Kann liegt eine Möglichkeit für die Zukunft der Landärzte darin, Kooperationen untereinander einzugehen. Politik, Universitäten, die Ausbildung nach dem Studium, die Krankenkassen und die Kassenärztlichen Vereinigungen sind gefordert, den Beruf des Hausarztes wieder attraktiv zu machen. Astrid Eisenberg, Pflegedirektorin des Herz Jesu Krankenhauses, hält eine bessere Vernetzung innerhalb des Gesundheitsnetzes für unumgänglich.

Die Wiedereinführung von Gemeindeschwestern brachte Edgar Holzappel, Bezirks-geschäftsführer der AOK Nord, in diesem Zusammenhang ins Gespräch. Denkbare Möglichkeiten sind für ihn auch Studienstipendien für junge Menschen aus der Region mit der Maßgabe, als fertiger Hausarzt wieder in die Region zurück zu kommen. Auch sind Gemeinschaftspraxen und medizinische Versorgungszentren für ihn Teil einer Lösung, wie auch finanzielle Anreize und Vergünstigungen durch Kommunen für junge Hausärzte. Dem stimmte auch Michael Thiesen, Stadtbürgermeister von Höhr-Grenzhausen zu. Kommunen könnten viele Anreize geben, sei es durch eine familienfreundliche Infrastruktur oder Hilfe bei der Suche nach Wohn- und Praxisräumen.

Insgesamt waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Wertschätzung für Allgemeinmediziner und die Attraktivität dieser Fachrichtung gesteigert werden müsse.

Dr. Bernd Reiner (FWG), selbst Mediziner und Moderator des Abends resümierte, das es für den Hausärztemangel wohl keine Patenlösung gibt, hier aber an vielen Stellschrauben gedreht werden muss und viele bestehende Strukturen verändert werden müssen. Man müsse sich darauf einstellen, dass es in der medizinischen Versorgung im Westerwaldkreis in naher Zukunft einschneidende Veränderungen geben wird.